Kolumne #7: Fashion Week #SS17 Recap - Modemenschen, Spaß & Alkohol


Jede Saison nehme ich mir vor, nicht so viel zu machen und dann ist mein Kalender doch mit Termin vollgeknallt und Prioritäten bleiben plötzlich auf der Strecke. Dieses Jahr habe ich vier Messen, zwei (von drei) Shows, zwei Events und eine Party besucht. Rückblickend doch wieder viel zu viel. Aber immer wieder erstaunlich, dass ich nicht daraus lerne und immer wieder etwas Neues entdecke. Quasi wie ein dummes Kleinkind, das zum ersten Mal in die Welt hinausgelassen wurde.



Mittlerweile sind genau zwei Jahre vergangen, als ich das erste Mal auf der Fashion Week war. 2014 zur SS/15 bei Rebekka Ruétz im Erika-Heß-Stadion. Ich hab also quasi eine kleinen Geburtstag gefeiert. Aber natürlich nur ganz cool im Stillen, anders gehört sich das nicht. Denn gerüchteweise habe ich mitbekommen, dass sich Modemenschen nur von Coolness, Blitzlichtgewitter und Alkohol ernähren. Irgendwie sind mir bislang nur die ersten zwei Dinge so richtig bewusst gewesen, doch nachdem ich selbst die Woche über mehrere Gin Tonics (for free versteht sich) vor 15:00 getrunken und abends nochmal mit ein paar Bier und Drinks nachgeholfen habe, weiß ich auch, warum: Anders lässt es sich doch gar nicht ertragen. Da ist es nur noch eine Selbstverständlichkeit, dass sich der Kokser auf dem Messe-WC ungeniert über seinen soeben konsumierten Stoff freut. #soBerlin Danke fürs Erzählen und deinen dabei leicht verstörten Blick, M.



Auf eine Closing Party habe ich mich schon Wochen im Voraus gefreut. Nachdem ich mit meinen Mädels im letzten Januar so abgefeiert habe, habe ich ich umso mehr gefreut, diesmal mit ganzen sechzehn Mann/Frau anzurücken und zu tanzen. 
Outfit: Check. Location? Check. Sexy Partycrew? Double Check. Unsere Stimmung? Triple Check! Also auf der Party erstmal die nächste Bar aufsuchen, Gin Tonics und Moscow Mule abgreifen, mit paar Freunden und Bekannten Worte und Lachen austauschen und -. Nada. Irgendwie war die Stimmung tot. Fashion Week-Menschen, die klischeehafterweise mit ihren Drinks rumstanden, hier und da Blicke austauschten und die Tanzfläche vermieden. Wobei Letztere echt nicht besuchenswert war, die Musik lud echt nicht zum Tanzen ein (unsere halbstündigen Versuche entpuppten sich jedes Mal als Niete). Um zwei/drei Uhr war für uns Sense und wir fuhren heim.



Dennoch gab es Dinge, die die Fashion Week für mich immer besuchenswert machen: Die Unterhaltung im Zelt, wenn wieder lustig gekleidete Personen vor Kameras posieren, das Wiedersehen und Kennenlernen von (neuen) Menschen (Grüße an die liebe Kate) und einfach der Spaß, die tollen Magazine, die überall ausgegeben werden, das Entgleiten aus der Realität für ein paar Tage. Man sollte danach nur wieder Fuß fassen und den Anschluss an den Alltag nicht verlieren. (Hab ich schon die Magazine erwähnt??)



Romper: NA-KD* | Leaher Jacket: All Saints | Bralet: Forever 21 | Belt: & other stories | Bag: Fossil | Sandals: Vagabond | Sunglasses: RayBan | Earrings: Happiness Boutique*

Auch wenn Fashion ein krasses Business ist und definitiv seine Berechtigung hat (das zweifle ich gar nicht an), sollte man einfach nicht vergessen, dass sie auch Spaß machen soll. Es gibt schon genug ernste Dinge im Leben. Am Ende des Tages legen selbst die coolen Modemenschen ihre Designerteile ab und kriechen müde ins Bett. Es ist ja schließlich nicht jeden Tag Fashion Week.

Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
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[Travel]: Barcelona Guide (Day 1) #followmearound



Wer mir fleißig auf Instagram und Snapchat (@Yoyo.Kim) folgt, weiß, dass ich Anfang April für einige Tage in Barcelona war. Vier, um genau zu sein. Da ich bisher noch nie in Spanien gewesen bin und da ich auch nicht allzu viel Zeit hatte, wollte ich wie eine typische koreanische Touristin (nur die schaffen es, halb Europa innerhalb von einer Woche zu sehen) alles mitnehmen, was nur möglich war. Dementsprechend habe ich meine vier Tage auch vollkommen genutzt und bin teilweise 20 km pro Tag gelaufen (danke Schrittzähler-App!). Wer die ganzen Snaps verpasst hat, kriegt jetzt hier die geballte Ladung an Urlaubsfotos. Aber heute erstmal nur vom ersten Tag. Enjoy and follow me around!


Nach zwei Stunden Schlaf klingelte mein Wecker mich um 04:00 aus dem Bett und ich machte mich auf dem Weg zum Flughafen. Check-In hatte ich schon online erledigt, doch da man bis Schönefeld eine Ewigkeit braucht, wollte ich lieber sicher gehen. Mein Flug ging irgendwann um 6 Uhr morgens und zwei Stunden später landete ich auch schon in Barcelona. Mit dem Aero Bus ging es innerhalb von zwanzig Minuten in die Innenstadt. Dank Free WiFi und Google Maps hab ich mein Hostel an der Universitat relativ schnell gefunden, checkte ein, sagte Dan und Mercedeh "Hallo" (Fun Fact: Wir buchten unabhängig voneinander unser Flüge und stellten im Nachhinein fest, dass wir im selben Zeitraum in Barcelona sind. Ich stornierte kurzer Hand mein AirBnB am Arc de Triomf und buchte mich in ein Zimmer in deren Hostel in Eixample - übrigens transporttechnisch die bessere Entscheidung, wie sich im Nachhinein rausgestellt hat) und machte mich auf den Weg.



Mein erstes Ziel war das Museu d'Art Comtemporani de Barcelona (MACBA). Ich hab es geliebt. Die klare Architektur des Gebäudes, moderne Exponate, Vieles, was ich bereits in Büchern, Vorlesungen usw. gesehen und nun auch IRL bestaunen konnte. Leider bin ich ziemlich durchgerushed, weil ich Angst hatte, mit der Zeit nicht hinzukommen. Vorher müsst Ihr vielleicht wissen, dass ich mir einen akribischen Schlachtplan zurecht gelegt habe, total durchgetaktet, aber großzügig gestaltet und machbar mit berechneter Flanierzeit dazwischen. Jedoch habe ich nicht damit gerechnet, dass Barcelona so kompakt ist, dass ich alles innerhalb weniger Minuten zu Fuß erreiche ... Aber erstmal weiter.


Als nächstes stand Casa Battló auf der Liste. Und da ich die Stadt sehen wollte, lief ich vom Museum durch die kleinen Gassen eben am Plaça de Catalunya den Passeig de Gràcia hoch. Stellt Euch dazu meine Müdigkeit und mein Hungergefühl vor, wobei ich davon bis zum Essen wenig gemerkt habe. Anscheinend war ich noch total hyped vom Gedanken, tatsächlich in Barcelona zu sein. Die ungewohnte Sonneneinstrahlung überraschte mich aber doch ziemlich und ich zog während meines Walks Lage um Lage aus, die Tasche wurde schwerer und schwerer ...



Irgendwann, als mein #hangry-Level kaum mehr auszuhalten war, erreichte ich es endlich: Casa Battó. Als eines der markantesten Signaturen Gaudìs prägt es die Kultur doch nachhaltig. Trotz der Off-Season waren überall Touristen um mich herum und nachdem ich mich genug am Modernisme-Stil gelabt habe, suchte ich wie ein ausgehungerter Wolf auf Yelp nach Restaurants in der Nähe. Oh man, war ich verzweifelt. Ihr müsst wissen, dass ich bewusst keine Restaurants vorher rausgesucht habe, weil ich naiver weise dachte: "Ach, du gehst einfach irgendwo rein, wo es gut aussieht." Mit einem begrenzten Studentenbudget und der Entscheidungsfreudigkeit einer typischen Waage: Pustekuchen. 


Nach ein bisschen scrollen und vergleichen entschied ich mich für das Taquerías Tamarindo. Weil ich Idiot kein Spanisch spreche half mir der supernette Kellner mit der Bestellung. Ich hatte irgendein Mittagsmenü mit Guacamole und Tacos als Vorspeise und etwas beefig-Überbackenes mit Bohnen als Hauptmahlzeit. Mit Eistee und inkl. großzügigem Trinkgeld meinerseits (der Kellner hat mir schier das Leben gerettet!) hab ich 12€ ausgegeben. Fair.
Vorher bin ich übrigens am Fundació Antoni Tàpies vorbeigelaufen, was ich aber erst im Nachhinein rausgekriegt hab.


Wieder gestärkt bin ich mit der Metro zum Arc de Triomf gefahren. Ein 10er-Ticket kostet aktuell 9,95€, völlig legitim. Auf dem Passeig de Illuís Companys habe ich ein bisschen das großartige Wetter genossen.

Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am

Quasi direkt daneben am Passeig de Picasso befindet sich die "Hommage à Picasso" von Antoni Tàpies, welches ich unbedingt sehen wollte. Allerdings habe ich es auf den ersten Blick total übersehen, weil der Glaskasten tatsächlich einfach mitten auf der Straße steht und vor sich hinplätschert. Auf dem Innern des Segeltuchs steht übrigens ein Zitat von Picasso von 1945: "Die Malerei ist nicht dazu da, Wohnungen zu schmücken, sie ist eine Kunstwaffe zum Angriff und zur Verteidigung gegen den Feind." Kunst im öffentlichen Raum und politisch intendiert, u.a. deshalb wohl mein bisher absoluter Favorit Instagram-Foto aus meinem Feed und für mich quasi der Inbegriff des Trips. Liebe!


Dann hat die Zeit doch ziemlich gedrängt, denn ich wollte noch unbedingt an dem Tag ins Museu Picasso. Fast wollte ich schon online Karten kaufen, doch meine Freundin Mirja (die nur wenige Wochen vor mir in Barcelona gewesen ist) meinte, Studenten kämen umsonst rein. Also buchte ich vor Ort fix ein Ticket und vertrieb mir die Wartezeit von etwa einer Dreiviertelstunde wieder mit Flanieren. Anscheinend scheine ich eine Begabung dafür zu hegen, beim umintendierten Herumwandern alles Spannende zu finden, was gar nicht auf meiern Agenda lag (deswegen hab ich auch viel mehr von Barcelona gesehen, als ursprünglich geplant. Not too bad.). Die Santa Maria del Mar im Barri La Ribera ist eine wunderschöne Kathedrale, wie die meisten in der Stadt. Kirchen und Kathedralen haben immer so etwas unterschwellig Mächtiges an sich, findet Ihr auch? 
Auf dem Rückweg zum Museum kaufte ich mir erstmal die zweite 1,5l-Wasserflasche an dem Tag (#vieltrinker) und freute mich auf Picassos Werke. Ich kann schon vorab sagen, dass das Museu Picasso eines meiner Highlights der Reise war. Die Ausstellung hat mich wahnsinnig beeindruckt. Ich fand es unglaublich spannend, wie Picassos Stil sich im Laufe der Jahre unter Einfluss von verschiedenen Menschen und Umständen geändert hat. Wenn Ihr in Barcelona seid und eine Vorliebe für Kunst habt, müsst Ihr dem Museu Picasso unbedingt einen Besuch abstatten. Es lohnt sich definitiv.


Nachdem ich ungelogen über zwei Stunden im Museum verbracht habe (ich vergesse bei Kunstausstellungen gern mal die Zeit) knurrte mir doch gegen 19 Uhr der Magen. Da ich noch auf jeden Fall am ersten Abend das Meer sehen wollte, lief ich Richtung Hafen. Auf Yelp hatte ich ein gut bewertetes Restaurants raus gepickt und freute mich auf meine wohl verdiente Paella. Nachdem ich tausend Schleifen laufen musste stand ich vor verschlossenen Türen - na ja, so fast. Paellas nur ab zwei Personen. Das war mir vornherein klar, aber ich hatte Hoffnung. Aber ÜBERALL wurden sie nur ab zwei Personen angeboten. ÜBERALL!
Wieder total #hangry wollte ich dann nur noch irgendwas zu essen. Vergiss fancy Paella, ich hab Hunger! Am Passeig de Colom (wo ich dann zum zweiten Mal entlang lief) setzte ich mich irgendwann in ein Tourirestaurant, weil es Paella für eine Person gab. Halleluja. Auf dem Foto mag die zwar gut aussehen und die Scampi waren echt frisch und lecker, aber der Rest ... Ich hab es nur gegessen, weil man Essen nicht wegschmeißt und ich ein Loch im Magen hatte. Ansonsten waren sie die 11,50€ nicht wert. Sad.


Ich schloss den Tag mit einem Spaziergang am Hafen und lief sogar bis zum Einkaufszentrum maremagnum am Port Vell, welches um 22 Uhr sogar noch geöffnet war. Ich gönnte mir erstmal eine Bomberjacke von Stradivarius und machte mich anschließend langsam auf dem Weg zurück ins Hostel. Zu Fuß. Ich war über sechzehn Stunden unterwegs und hatte die Nacht davor nur zwei Stunden geschlafen. Die Erschöpfung kickte vollends ein und ich ging im Carrefour an der Ecke nur ein bisschen Lebensmittel einkaufen, bevor ich zuerst in die Dusche und danach todmüde ins Bett fiel. Aber ich wusste schon dann, dass es die richtige Entscheidung war, nach Barcelona zu fliegen.

Kolumne #6: Du kannst das nicht tragen + Outfit


Ihr Gesichtsausdruck sagt alles. Schweren Herzens verschwinde ich wieder zurück in die Kabine und hänge die perfekt sitzende Bluse beim Verlassen wieder auf die Kleiderstange. Mama ist schon zum nächsten Shop gelaufen und winkt mir mit einem weißen Oberteil entgegen. Ich seufze, denn ich kenne den Grund, warum sie es nicht an mir mochte. Es ist dunkelblau.


Du bist nicht perfekt


Midiröcke? "Bist zu klein dafür." Midikleider? Gleiches Spiel. Dunkelroter Lippenstift? "Sieht komisch aus." Oversized? "Du versinkst darin." Hüte? "Du hast kein Hutgesicht." Runde Sonnenbrillen? "Dein Gesicht sieht noch runder aus." Mom Jeans? "Stauchen dich total." Weite Stoffhosen mit Saum am Knöchel? "Machen dich kleiner." 
Die Liste kann man ewig so weiterführen. Knallfarben sehen komisch an mir aus, mit offenen Haare wirke ich total "undone", ohne Brille sei ich hübscher. Fakt ist: Es nimmt kein Ende.


Der allgemeinen Auffassung nach sollen korpulente Menschen keine hautengen Sachen tragen, Dirndl sehen nur mit min. D-Körbchen nach was aus, aber Push-Ups sind verpönt. Bullshit, klar. Doch legen wir so viel Wert auf fremde Meinung. Fremd ist hier relativ, denn am meisten glauben wir unseren Freunden oder der Familie. Ob die Verkäuferin mir sagt, dass mich das A-Linien-Kleid breiter macht ist mir Latte, doch schürzt meine Schwester die Lippen, hängt es gleich wieder an der Kleiderstange. Und das ist auch wichtig.


Mama hat immer Recht ...


Es gibt diese Teile, die auf Gott und Verderben einem nicht stehen. Die man noch so gut kombinieren kann, aber zu einem selbst einfach nicht passen. Natürlich ist das traurig, doch sonst würden wir alle gleich rumlaufen und das ist ja auch total langweilig.
Doch dann gibt es auf der anderen Seite auch die unsinnigen Ratschläge. Meine Mama ist mir heilig und ich vertraue ihr so wie keinem anderen. Auch die oberen "Ratschläge" habe ich ihr blind geglaubt und brav befolgt. In meinem Kleiderschrank dominierten Skinny Jeans, Mini- oder Maxiröcke, hohe Schuhe. Knielange Sachen wurden bis auf fünf Meter gemieden und Accessoires wie Hüten schenkte ich nicht einmal einen Blick. Ihre Meinung war so tief in mir eingebrannt, dass ich neuen Teilen nicht einmal eine Chance gegeben habe.


... oder doch nicht?


Und dann passierte es. Ich bin vor drei Monaten mit einer Mom Jeans aus dem Laden spaziert. Einfach so, spontan. Na ja, das ist nur die halbe Wahrheit. Zuerst habe ich sie an Dan gesehen und war überrascht, dass es solche Hosen für "uns Winzlinge" (ich bin zwar immer noch davon überzeugt, dass 1,61m gar nicht so klein ist, aber fragt mal meine Freunde ...) gab. Monate später habe ich sie im besagten Store entdeckt, anprobiert und Freundinnen per WhatsApp um deren Meinung gebeten. "Steht sie mir? Wie findet ihr sie? Ja, nein, ja?" Eindeutige Antwort. Ja.


Mittlerweile trage ich alles, was mir angeblich nicht gestanden hätte. Midisachen, dunkelroten Lippenstift als Statement, Mom Jeans zu allen möglichen Anlässen, Hüte, meine Brille statt Kontaktlinsen im Alltag, weil sie auf Dauer erstens günstiger, zweitens gesünder für meine Augen und drittens bequemer (vor allem jetzt zur Pollensaison) sind. Natürlich sind mir Mamas Ratschläge noch wichtig, doch ich hab gelernt, dass in Sachen Styling alles nur von einer Komponente abhängt: Deinem Wohlbefinden. So banal es auch klingt. Fühlt man sich wohl, strahlt man das auch aus. Ganz einfache Gleichung, oder? Auch wenn es immer und immer wieder tot gebetet wird, es stimmt: Ausstrahlung ist das Wichtigste. Sie macht so viel wett. Mit einer unglaublichen Ausstrahlung gewinnt man selbst in einem hässlichen Kartoffelsack den Titel der Miss World.


So teuer Dir auch die Meinung deiner besten Freundin, deines Freundes, deiner Mutter, des Eisverkäufers aus Deiner Lieblingsdiele wichtig sind, das Wichtigste ist einfach, dass Du selbst von der Sache überzeugt bist. Denn letztendlich musst Du das A-Linien-Kleid tragen und nicht die Verkäuferin, die nur einen weiteren Provisionsbonus in Dir sieht. 


Wenn man Dir seit sieben Jahren einredet, dass Dir etwas nicht steht, glaubt man es auch irgendwann. Vielleicht freunde ich mich sogar auch irgendwann noch mit dunkelblauen Oberteilen an, wer weiß. Oder ... vielleicht eher doch nicht. Dunkelblau steht mir zumindest als Oberteilfarbe tatsächlich nicht.


Crop Shirt: NA-KD* | High Waist Skinny Jeans: Pull & Bear | Leather Jacket: AllSaints | Fedora Hat: C&A | Boots: Vagabond | Earrings: Forever 21 | Watch: Marc Jacobs | Belt: & other stories

Kolumne #5: Fass mich nicht an! + 90s-Revival-Outfit


Okay, ich brauche noch ein Paar Socken, die Avocados darf ich nicht vergessen, muss das Dokument Zuhause noch ausdrucken und den Abwasch ma- WTF?!
Völlig entgeistert reiße ich herum und starre entsetzt zurück. Der Blick des Typen trifft meinen. Es zeichnet sich noch ein schelmisches Grinsen auf seine Mundwinkel ab, bis er sich umdreht und unbekümmert weitergeht. Langsam weicht das Gefühl des Schocks dem der Wut. Kurz überlege ich, ob ich ihm hinterher jagen und zur Rede stellen soll. Doch eine kleine Stimme in mir sagt: "Die Bahn kommt gleich, lass es, er ist es nicht wert." Noch schlechter gelaunt gehe ich weiter und versuche den Gedanken abzuschütteln.
Erst Zuhause merke ich natürlich, dass ich die Avocados vergessen habe.



Viel zu viel, um wahr zu sein ...


So ähnlich ergeht es mir in den letzten Jahren ständig, doch in den letzten Monaten haben sich diese Vorfälle aus unerfindlichen Gründen exponentiell kumuliert. Ich spreche von sexueller Belästigung. Mitten auf der Straße, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Lokalen. Eigentlich überall, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Seien es verbale Kommentare, dämliche Cat Calls, bis hin zu körperlichen Übergriffen. Meine zehn Finger reichen nicht, um überhaupt die Vorkommnisse des letzten halben Jahres aufzuzählen. Mir wurde im Vorbeigehen in die Seite gezwickt, an den Hintern und in die Haare gefasst, es wurden heimlich Fotos von mir gemacht, penetrant nach gemeinsamen Selfies gefragt, es wurde mir so sehr auf die Pelle gerückt, dass ich aufstehen und gehen musste, um der physischen Beklommenheit zu entweichen. Von den ganzen Sprüchen will ich gar nicht erst anfangen.



Ich bin keinesfalls jemand, der derartiges über sich ergehen lässt und schreie sofort auf, wenn jemandem (oder mir) Unrecht widerfährt. Zumindest dachte ich das. Denn wenn man sich tatsächlich in dieser Situation befindet, die einen natürlich total unerwartet trifft, ist man wie paralysiert. Was war das eben? Ist das tatsächlich passiert? Was mach ich jetzt? Man fühlt sich wirklich hilflos und bevor man reagieren kann, sind diese Idioten meist schon wieder weg.



Meine ungewollte Fotomodellkarriere


Letzten Herbst saß ich nichtsahnend im Bus und war auf dem Weg zu einer Grillparty. Irgendwann tippte mir man auf die Schulter und eine Dame machte mich darauf aufmerksam, dass der Kerl hinter mir heimlich Fotos von mir mache. Ich war gleich auf 180, fragte, was das soll und er mir die Fotos zeigen soll. Der Typ (total heruntergekommener Asipenner, entschuldigt meine Ausdrucksweise, aber ich werde immer noch wütend, wenn ich daran denke) tat auf unschuldig blöd. Er wüsste gar nicht, wo das Problem sei. Nachdem ich (anscheinend zu seinem Erstaunen) hartnäckig blieb, zeigte er sie mir auf seiner Digitalkamera. Von wegen er würde nur aus dem Fenster fotografieren. Ich war das zentrale Objekt auf dem Foto, noch offensichtlicher ging es kaum. Zum Glück war nur mein Hinterkopf drauf und kein Profil nur zu erahnen, doch ich war pissig und forderte ihn auf, es zu löschen. Natürlich weigerte er sich. Vor Wut log ich sogar, dass es Konsequenzen haben würde und dass mein Freund Jurist sei. Half alles nichts. Die nette Dame unterstützte mich noch, aber alle anderen beobachteten das Spektakel, als sei es eine Schauspielvorführung. Irgendwann hab ich es gut sein lassen, weil ich mir weder die restliche Laune verderben noch mich mit so einem Menschen weiter auseinander setzen wollte. Wäre mein Gesicht gut zu erkennen gewesen, hätte ich natürlich bis zum Schluss auf mein Recht plädiert, aber so war mir meine Energie zu schade.
In diesen Minuten habe ich mich so hilflos gefühlt, irgendwann sogar ziemlich verzweifelt. Niemand hat geholfen und ich war mit meinem Latein auch irgendwann am Ende. Was wäre wohl passiert, wenn er handgreiflich geworden wäre? Hätten die anderen Leute im Bus auch nur da gesessen und zugeschaut?




Meine Schuld ... ?


Wenn ich solche Geschichten erzähle, dann empören sich die meisten; starren mich fassungslos an und reden mir gut zu. Meist kommt zum Schluss noch ein: "Pass das nächste Mal besser auf dich auf." Wie bitte? Es war hellichter Tag an einem öffentlichen Platz mitten in der Stadt. Ganz ehrlich, wenn mich jemand belästigt, dann liegt es überhaupt nicht an mir. Zu keinem Prozent. Und nein, die Kleiderdiskussion beginne ich erst gar nicht, das ist vollkommen lächerlich.



Ich war noch nie jemand, der in der Öffentlichkeit Angst hatte. Egal ob es dunkel, mir die Straße unbekannt oder ich allein unterwegs war. Während meine Eltern geradezu paranoid werden, wenn ich spät heimfahre, ist meine größte Sorge, dass mein Handyakku versagt, ich keine Musik auf dem Weg hören kann und ätzenden fremden Gesprächen und dem Stadtlärm ausgeliefert bin. Doch langsam verliere ich auch den Glauben an die Menschheit. Was ist, wenn tatsächlich etwas passieren sollte und ich mich nicht mehr wehren kann? Denn laut einer EU-Umfrage wurde bereits jede zweite Frau sexuell belästigt. Die Hälfte aller weiblichen Personen! Soll ich mich jetzt Zuhause einsperren und nie wieder einen Fuß ins Freie setzen? "Frauen sind nicht sicher auf den Straßen, am Arbeitsplatz und schlussendlich auch nicht zu Hause, dem Platz, an dem sie Schutz finden sollten“, sagt FRA-Direktor Morten Kjaerum (Quelle: TAZ). Na super, da haben wir den Salat.



Wie du mir, so ich Dir.


Seit klein auf lernt man doch, dass man andere Menschen so zu behandeln hat, wie man selbst behandelt werden möchte. Ist bei diesen Leuten das schier vorbeigegangen oder was ist da falsch gelaufen? Vielleicht sollte ich ihnen nächstes Mal einfach durch die Haare wuscheln oder ins Gesicht poken, vielleicht stehen sie ja drauf. Allerdings fürchte ich eher, dass ich eine Anzeige an den Hals bekomme.



Also Leute, hört auf mich ungefragt anzufassen! Ich kenne noch nicht einmal Eure Namen und da wollt Ihr gleich auf Tuchfühlung gehen? Nein, nicht mit mir. Ist ja nett, dass Ihr Euch zu mir hingezogen fühlt (also ich vermute mal, dass das einer der Gründe ist. Aber bei solchen Idioten weiß man ja nie.), aber schon mal was vom Flirten gehört? Oder verbaler Kommunikation? Denn ohne werdet Ihr garantiert nie jemanden kennenlernen. Na, außer vielleicht im Gefängnis, wenn Ihr ganz viel Glück habt. Aber so eine Kittchen-Romanze hat meist nie ein Happy End, wisst Ihr?



PS: Vor einigen Wochen gab es auf Twitter den Hashtag #imZugpassiert, der eine Antwort auf die Einführung von Frauenabteilen in der Mitteldeutschen Regionalbahn war. Mal davon abgesehen, dass solche glorreichen Ideen die Segregation nur fördern (Bye bye Emanzipation!) und die Problematik von sexuellen Übergriffen nicht löst, wird diesen Frauen einfach nicht geglaubt. Wie krank ist das bitte? #VictimShaming as its best. 




Top: NA-KD* | Mom Jeans: Monki Kimomo (Danke an Dan für den Tipp!) | College Jacket: Polham | Sneaker: Adidas Superstar | Watch: Daniel Wellington*




"Call me beautiful, so original, telling me I'm not like other girls
I was in my zone before you came along, now I'm thinking maybe you should go
Blah, blah, blah, blah
I be like nah to the I, to the I, to the no, no, no!



All my ladies listen up
If that boy ain't giving up
Lick your lips and swing your hips
Girl all you gotta say is...
My name is no
My sign is no
My number is no
You need to let it go
You need to let it go
Need to let it go
Nah to the ah to the, no, no, no!



Thank you in advance, I don't wanna dance (nope!)
I don't need your hands all over me
If I want a man, then I'mma get a man
But it's never my priority
I was in my zone, before you came along, don't want you to take this personal
Blah, blah, blah, I be like nah to the ah to the, no, no, no!"

Meghan Trainor - No

[Travel] Angkor (Cambodia) 2015: Phimeanakas Temple & Terrace of the Elephants

 
Unweit von Baphuon und Bayon ist Phimeanakas und die Elefantenterrasse zu finden.
Nach der Legende musste vor der Krönung eines neuen Königs der Anwärter die steilen Treppen zum Tempel erklimmen und die Nacht mit der Schlangenkönigin verbringen. In dieser Zeit durfte niemand, nicht einmal die Frau des Prinzen selbst, die Anlage betreten. Überstand er die Nacht unbeschadet, wies es auf einen würdigen Nachfolger hin.
The Terrace of the Elephants erstreckte sich über die gesamte Fläche und wurde vom König Jayavarman VII. genutzt, um über seine Armee blicken zu können. Ursprünglich war sie mit dem Phimeanakas Tempel verbunden, doch da sie (wie alle Tempelanlagen in Angkor) aus organischem Material besteht, setzte sich das Meiste bereits ab. Der Tourismus tat wahrscheinlich das Übrige.