Meine erste große Liebe.

Thursday, February 02, 2012



Photobucket

Wörter.


Wir leben mit ihnen, gebrauchen sie, verständigen uns über sie. Sie drücken unsere Wünsche, unseren Zustand und Gefühle aus, warnen uns vor Gefahren und helfen, den anderen zu verstehen. Oft jedoch missverstehen wir sie, benutzen sie als verbale Waffe, als Kränkung, zur Zerstörung und Vernichtung. Missbrauchen sie. 

Als ich lesen lernte, fand ich es faszinierend, was diese kleinen Zeichen bewirken können. Im Laufe der Zeit lernte ich immer neue Wörter und deren Bedeutung kennen: von "Galerie", "Klassik" und "Tagtraum" bis hin zu "Koketterie", "Symbolik" und "Festplattenreceiver"
So versank ich mehr und mehr in für viele schier Buchstabensalaten, in Büchern. Sie erzählten mir Geschichten von Königen, Drachen, unheimlichen Morden, todtragischen Familienunglücken, Liebestragödien, Zauberern. Viele Nächte lag ich unter der Decke, heimlich mit einer Taschenlampe und dem Roman in der Hand, der mich zu dieser Zeit nicht mehr losließ, sodass ich ihn auslesen musste. Manchmal war es wie eine Sucht. Ich konnte und wollte nicht aufhören und sehnte mich danach, in eine Traumwelt zu flüchten, die viel fantastischer als die Realität war. So verschlang ich Berge von Büchern, aus Bergen wurden Regale, aus Regalen Schränke.

Nachdem ich nun ein Dutzend von Geschichten sämtlicher Genres gelesen hatte, packte mich selbst die Erfinderlust. Ich wollte selbst Urheber einer solchen Idee sein, selbst bestimmen, was mit den Figuren passiert. Die Umgebung schwirrte mir wie Kulissen und Requisiten in einem Film im Kopf herum, die Charaktere arbeitete ich so sorgfältig wie möglich aus und versuchte, sie vielfältig zu gestalten. Das Zusammenspiel zwischen Handlung und der logischen Chronik von Szenen gefiel mir, sodass aus zuerst groben Ideen Sätze wurden, aus Sätzen Absätze, aus Absätzen Seiten. Seiten von Wörtern. Vielen, vielen Wörtern, die eine Geschichte erzählten.

Das Manuskript, welches nun um die einhundert plus minus fünfzig Seiten entsprach, schickte ich einem Verlag ein. Ich wartete ungeduldig und aufgeregt. Doch eine sehr lange Zeit später kam - natürlich - eine Absage. Zwar war ich geknickt, doch es motivierte mich eine ganz neue Story zu beginnen. 
So ging das eine ziemlich lange Zeit lang und durchlief immer mal wieder einen ähnlichen Kreislauf. Die Romane von Autoren, die im Gegensatz zu mir es geschafft haben, ihre Werke zu veröffentlichen, las ich natürlich immer noch wie eine Besessene. Jedoch musste ich in den letzten Jahren feststellen, dass diese Affektiertheit keine allzu große Wirkung mehr auf mich ausübte und ich somit meine Leidenschaft immer mehr vernachlässigte. Damit auch das Schreiben.

Zwar schreibe ich heute noch hin und wieder, doch es funktioniert nicht mehr so flüssig und zügig wie damals mit elf oder zwölf Jahren. Und heute erwarte ich auch gar keine Veröffentlichung mehr, da mir die Ausmaße dieses Gebietes und des Andrangs viel bewusster sind als kleines, verträumtes Mädchen. Das Lesen musste aber ebenso leider weichen - während ich früher noch zwischen dreißig und fünfzig Bücher pro Jahr verschlungen habe, sind es in den letzten Jahren nur noch klägliche zehn. 

Um diesem rückläufigen Vorgang entgegen zu wirken besuchte ich demonstrativ die Bibliothek und bestellte mir interessante Bücher, um meinem Gehirn meine alte Vorliebe wieder vorzugaukeln. Bisher funktioniert das nur semi-erfolgreich. Doch ich habe noch Hoffnung, dass es mal wieder so wie früher wird. Denn bekanntermaßen stirbt die Hoffnung zuletzt.


You Might Also Like

4 % Love

  1. Was willst du denn? x)
    Meine "Sohle" und "Borke" hat dich geschlagen! :D

    ReplyDelete
  2. Bei deinen Worten wird mir auch bewusst, wie gern ich früher gelesen habe und dass ich es wirklich wieder mehr tun sollte. Ich hoffe, du wirst irgendwann mal wieder mit einer solchen Leidenschaft lesen können wie früher ;) Liebe Grüße Vanessa

    ReplyDelete

Popular Posts

Like me on Facebook

Follow me on Twitter