[Stories] Deadline - Part 3 (Final)

Saturday, October 11, 2014


Et voilà, hier erscheint endlich Teil 3 und somit der Schlusspart meiner Kurzgeschichte "Deadline". Wenn ich sie so im Nachhinein lese, finde ich diesen Part weniger gelungen, da sich plötzlich die Lösung des Falls so schnell überschlägt. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass ich die Vorgabe von gerade mal fünf Seiten hatte und ich eigentlich etwa zehn gebraucht hätte. Ich merke auch wieder, wie ich Lust kriege, mehr und wieder regelmäßiger zu schreiben. Vielleicht liegt es ja an der Jahreszeit? Auf jeden Fall hoffe ich, dass ich endlich mal wieder Motivation für mein liebstes Hobby finde.

« 8 Stunden bis zur Deadline
„Ich muss zu Clarestone!“, schrie Conlan O‘Mally an. Jener blickte zuerst verblüfft den Detective an, fing sich aber rasch wieder. Seine Stirn legte sich in Falten und seine Augen verengten sich zu Schlitzen. „Bennett, Sie sollten wieder an Ihre Arbeit-“ „Ich muss sofort ins Staatsgefängnis! Sie müssen mir eine Audienz beantragen, Chief!“
„Detective Bennett, gehen Sie sich sofort an ihren Platz oder ich suspendiere Sie vom Dienst!“ O‘Mally war aufgestanden schlug mit beiden Fäusten auf den wackeligen Holztisch. Sein Gesicht hatte die Farbe einer reifen Tomate angenommen und sein Brustkorb hob und senkte sich merklich. Conlan jedoch blieb kerzengerade stehen und sprach ruhig: „Sie selbst haben Clarestone vor 28 Jahren verhört, Chief. Kam Ihnen nicht etwas sonderbar vor? Ein Serienkiller, der bislang völlig unbekannt war, stellt sich freiwillig. Und gesteht gleich sechs Morde! Da kann etwas nicht mit rechten Dingen zugehen, Chief!“
O‘Mally starrte Conlan blass an. Er sah Empörung, Verwirrung, aber vor allem Zweifel in seinen Augen. Für einen Augenblick herrschte Schweigen, doch dann sah O‘Mally auf seine Uhr und meinte: „In acht Stunden findet die Hinrichtung statt. Es ist zu spät, Bennett.“
Conlan ballte seine Fäuste. Man hörte noch seine Zähne aufeinander knirschen, bevor er mit einem Bündel Papiere aus der Tür rauschte. „Geben Sie‘s auf, Detective!“, rief O‘Mally ihm hinterher, doch Conlan war bereits aus dem Department geeilt.

Deadline
Der Raum sah schrecklich aus. Leichter Schimmel zog sich die kargen Wände entlang, von dem der Putz bereits brockenweise herunter fiel. Die Eisenstangen vor dem Fenster wirkten rostig und die Totenstille ließ Conlan unruhig auf seinem Stuhl hin und her rutschen. Es war nicht leicht gewesen, eine Audienz bei Clarestone zu bekommen. Er hatte tatsächlich sämtliche Dokumente in O‘Mallys Namen fälschen müssen. Natürlich war Conlan sich den Konsequenzen bewusst, die ihm nun drohten, doch dies nahm er in Kauf. 
Plötzlich wurde die Tür geöffnet; ein hagerer Mann um die siebzig Jahre betrat in Ketten gelegt und von einem Wärter geführt den Raum und setzte sich Conlan gegenüber. „Guten Tag Mr Clarestone. Ich bin Detective Bennett vom Main Police Department in Dallas.“, stellte Conlan sich dem Häftling vor, welcher jedoch schwieg. Conlans Herz begann zu rasen. Ihm war, als würde der Inhaftierte durch ihn hindurch sehen. Dennoch fuhr er unbeirrt fort und legte ein Foto auf den Tisch. „Das ist Charlotte Miller, siebzehn Jahre alt und vor drei Wochen verstorben. Ermordet.“ Der Alte reagierte noch immer nicht. Nach und nach legte Conlan die Fotos der Verbrechensopfer der ungeklärten Fälle auf den Tisch und er merkte, wie Clarestone auf die Bilder linste. Dessen Pupillen weiteten sich mit einem Mal.
„Kommen Sie Ihnen bekannt vor? Natürlich tun sie das. Das sind weitere Opfer von Ihnen, nicht wahr?“ Clarestone zitterte und feine Schweißtröpfchen bildeten sich auf seinem ergrauten Haar. Der Polizist lehnte sich zurück. „Doch wie merkwürdig. Viele dieser Frauen verstarben in den letzten zwanzig Jahren. Aber wissen Sie, was noch bemerkenswert ist? Ihnen fehlt jeweils das rechte Ohr.“
Clarestone starrte ihn hilflos und mit offenem Mund an. Einige undefinierbare Laute entkamen ihm, doch Conlan unterbrach ihn. „Mr Clarestone. Hören Sie auf damit. Es reicht, dass Sie die letzten dreißig Jahre den Kopf hingehalten haben.“ Langsam zog er das Foto von Emily Brighton aus dem Ordner. „Erkennen Sie sie? Das ist Emily Brighton. Die Mutter Ihres Sohnes James.“
Aus entgeisterten Augen durchbohrte Clarestone den Detective. Seine Hände zitterten nun unkontrolliert und die Handschellen klapperten dabei laut. „Henry, hören Sie auf, Ihren Sohn zu decken! Nicht Sie haben all diese Morde begangen, sondern er, oder nicht? Genauso wie er Charlotte Miller vor drei Wochen umgebracht hat. Woher ich das weiß? Brighton entsprach als Einzige nicht der Viktimologie, sie war zu alt, wurde schon in den frühen 1970ern ermordet und dennoch fehlte auch ihr ein Ohr. Und sie hatte einen Sohn, James, der schon vor Jahren auf unerklärlicher Weise verschwand. Als Vater war niemand eingetragen, aber Sie müssen es sein, Henry. Sie sind der Einzige, der passt.“
Clarestone hatte sich etwas beruhigt und nahm Emily Brightons Foto vorsichtig in die Hand. Vorsichtig strich er über das Bild. „Er sieht aus wie seine Mutter.“ Conlan schaute ihn verblüfft an. „Ich habe sie geliebt, wissen Sie. Und dann gebar sie mir unseren Sohn. Es war wundervoll. Doch wer hätte ahnen können, dass James so krank ist? Emily war immer viel beschäftigt gewesen und er meinte, dass sie ihm nie zuhören würde ... Deswegen musste sie ihr Ohr und Leben lassen. Als allererste. Ich dachte, mit meinem Geständnis wacht er endlich auf ... Aber offensichtlich ist er es nicht.“ Clarestone seufzte traurig. Er schien mehr mit sich selbst als mit dem Polizisten zu reden.
Vorsichtig versuchte Conlan ihn zu bekennen: „Es ist vorbei, Henry. Sie können es noch ändern. Sie müssen nicht sterben. Sagen Sie mir, wo James ist und Sie kommen hier raus, das ver-“ „Nein!“ Clarestones stahlharter Blick nagelte Conlan fest, sodass er erschrocken schluckte. „Nein!“, wiederholte er, „Niemals!“
Nachdem er sich wieder gefangen hatte, fuhr er leise fort: „Sie fragen sich bestimmt warum. Warum ich all die Jahre lang gelogen und geschwiegen habe. Die Antwort ist simpel: Ich liebe ihn. Genauso wie ich Emily geliebt habe. Ich liebe James.“
Ein Klopfen unterbrach die beiden und der Wärter kam herein, um Clarestone abzuholen. Dieser stand bereitwillig auf und ließ sich ohne zu wehren abführen. Doch bevor er aus der Tür trat, sprach er noch ruhig: „Auf irgendeine Weise habe ich gehofft, dass jemand dahinter kommt. Eigentlich hatte ich ja  bereits die Hoffnung an die Menschheit aufgegeben. Wir hören etwas Plausibles, sind zufrieden und verlassen uns darauf, ohne weiter nachzufragen ... Doch Sie können stolz auf sich sein, Detective und ich akzeptiere mein Schicksal. Es tut gut, endlich die Wahrheit sagen zu können. Vielleicht verstehen Sie mich, vielleicht auch nicht. Ich für meinen Teil kann guten Gewissens diese Welt nun verlassen, guten Gewissens, meinen Beitrag geleistet zu haben: nämlich meinen Sohn zu schützen.“ 
Als Conlan ihm nachsah war es ihm fast, als würde Clarestone lächeln. «

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1 % Love

  1. Ein gutes Ende sogar wenn es noch offen steht, was mit dem Sohn passiert. Aber die Story allgemein was du dir ausgedacht hat, war echt klasse :) Ich wäre nicht so einfallsreich gewesen xD

    Naja wie auch immer, falls du wieder die Lust gefunden hat, was zu schreiben - Ich würde es auf jeden Fall wieder lesen :D

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