Kolumne #11: This was 2016 - Recap

Saturday, December 31, 2016

"Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, was würdest du ändern wollen?"


Gerade als ich zur Antwort ansetzen will, treffen sich unsere Blicke. Seine Augen sind so tief und durchdringend, dass mir ein Schauer über den Rücken läuft. Wie in einem Zeitraffer fliegen Bilder vor meinem inneren Auge vorbei. Die Mandelentzündung, die mir noch heute Schwierigkeiten bereitet, mein gestohlenes Portemonnaie und die damit verbundene Panik und Kosten, die Weisheitszahn-OPs, wonach ich vier Wochen quasi nichts essen konnte, der im Büro verbrachte Sommer und die zugehörigen Überstunden, die verpasste Beerdigung, die unzähligen Cat Calls, Belästigungen und Begrapschungen, der Herzschmerz, auf den ich nicht vorbereitet war, die sich immer wiederholenden Enttäuschungen. Brüssel, Brexit, Donald Trump, Ohio, Park Geun-Hye, Aleppo, Zürich, Ankara, Berlin. Und noch so viele mehr.

Ich schüttle den Kopf. "Ich verstehe." Er fährt sich durch das Haar und seufzt. Für eine Weile bleiben wir so sitzen, schweigend, jeder für sich. 



"Es tut mir leid.", flüstert er. Langsam merke ich, wie es in mir hochkocht. Die Wut hatte sich all die Monate angestaut, vor sich hingebrodelt und nun schien der Siedepunkt erreicht zu sein. Für einen Moment will ich ihm alle Schimpfwörter an den Kopf werfen, warum er und seine Vorgänger mich die letzten Jahre so gequält haben, was ich ihnen angetan habe, dass ich es verdient habe so zu leiden. 

Doch bevor es aus mir heraussprudelt, scheint mein Mund wie ausgetrocknet. Es kommt kein Ton heraus. Denn ich bin es leid. Dieser ganze Hass, diese Unzufriedenheit, dieses Unglück. Ich habe keine Lust mehr. Seufzend erinnere ich mich zurück.



"Hier", zeige ich ihm, "erinnerst du an die Cropped Fashion Week Party im Januar? Einer der besten Nächte, ich meine, wie können Free Drinks und Snacks irgendwie schlecht sein? Oder hier, als ich mich spontan dazu entschlossen habe, nach Barcelona zu fliegen. Und später mit meiner Schwester nach Manchester und Liverpool, mit Freunden nach Hamburg. Zwei Mal. Die ganzen Kochabende mit den Bananen, die Erleichterung nach der Abgabe der letzten Klausur und Hausarbeit, die Produktivität im Kommunikationsprojekt, die ganzen Kontakte, die ich über die Arbeit knüpfen konnte, die ganzen Partys, das Lollapalooza, Peace x Peace und Teesys Record Release, mein Geburtstag, ein wunderschönes Weihnachtsfest mit fast all meinen Liebsten. Natürlich der Abend im Bohnengold und die darauf folgenden Erinnerungen ... Ich hatte unheimlich schöne Momente, die mir kein noch so schlechtes Ereignis wegnehmen kann."

Ich lächle, während ich das Jahr rekapituliere. "Es war nicht alles schlecht. Ich habe viel gelernt, ich war mutig. Ich bin das erste Mal allein verreist, habe mir meinen Jugendtraum vom Tattoo erfüllt und habe mich eine meiner größten Ängste gestellt, nämlich Gefühle zu zeigen. Ich weiß, dass ich noch viel lernen muss und ich arbeite dran. Es war kein unbedingt gutes Jahr, aber keines, was ich ausradieren möchte. Also nein, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich nichts an dir ändern. Ich möchte dich genauso in Erinnerung behalten. Genau so."



Heute war so ein Tag, der eigentlich hätte ganz anders ablaufen sollen. Eigentlich wollte ich mir vormittags beim @mylittleboxde-Event mit @misplacedmirth den Bauch vollschlagen, mittags zur Uni wanken, Lektüre für mein Referat lesen, die Marketingvorlesung besuchen, nach Hause fahren, kochen und abends noch fleißig Soziologie pauken. Stattdessen war mein Tag von aufgeregten Telefonaten, Hin- und Hergerenne zur nächsten Sparkasse und zum Immatrikulationsamt, Nichtkonzentration in der Vorlesung, Anzeigenaufgabe und Haare raufen geprägt. Verschwunden bleibt mein Portemonnaie noch immer. Oder besser: gestohlen. EC-Karte, Perso, Führerschein, Fitnessstudio-Mitgliedskarte, Studentenausweis und Fahrkarte und so viel mehr: Einfach weg. Nur mein Handy blieb mir, um mehr oder weniger panisch tausend Leute anzurufen. Nach dem Schreck und Ärger tritt jetzt Ernüchterung ein. Es ist echt nervenaufreibend, aber man kann es nicht ändern. Vielleicht hab ich ja sogar Glück und der/die TäterIn behält nur die 15€ Cash und schickt mir mein Portemonnaie zurück. Sowas passiert eben oder wie die Franzosen sagen würden: C'est la vie.
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Video am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Video am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am
Ein von Yoyó Kim ❥ Eros & Psyche (@yoyo.kim) gepostetes Foto am

You Might Also Like

2 % Love

  1. Du Schönheit *__*, ich bin gerade richtig vernarrt in die Bilder "Vor 4 Monaten" und "Vor 9 Monaten!".
    Dein Jahr war geprägt von Höhen und Tiefen und ich hoffe, dass es für 2017 mehr nach oben als nach unten geht.

    Liebste Grüße
    Jane von Shades of Ivory

    ReplyDelete
    Replies
    1. Das ist richtig lieb Jane, Dankeschön! Wünsche dir auch ein erfolgreiches 2017!

      Delete

Popular Posts

Like me on Facebook

Follow me on Twitter