Kolumne #14: 5 Flirttipps, mit denen ihr garantiert euren Schwarm erobert

Thursday, May 04, 2017



"So gewinnst du das Herz deines Traumgirls", "Tipps, wie du deinen Schwarm um den Finger wickelst", "10 Dating-Regeln, die du beherrschen musst" – Die Bravo hat mich so Einiges an Flirttipps gelehrt und mich so aus manch kniffliger Situation gerettet. Immerhin hat jeder siebenunddreißigste Versuch geklappt. Mittlerweile kursiert im Netz aber eine unübersichtliche Masse an Ratschlägen, dass man gar nicht weiß, welche Do's befolgt und welche Don'ts vermieden werden sollten. Keine Sorge, nach jahrelanger Übung habe ich die Top 5 Tipps in Anekdotenform für euch, alles selbst erlebte Geschichten, die von mir approved sind. 

 
Bomberjacke/Boomber Jacket: Monki (similar here | here | here) | Turtleneck: Uniqlo (similar here | here) | Rock/Skirt: adidas NEO (similar here | here) | Strumpfhose/Tights: No Name (similar here | here) | Boots: Tamaris (similar here | here) | Bucket Bag: Fossil (similar here | here | here) | Kette/Necklace: luiloves (similar here | here | here) | Uhr/Watch: Daniel Wellington (here) | Ohrringe/Earrings: Pilgrim (similar here | here | here)

1. Überwältigt sein ...


"Hi, kann ich dich was fragen?" Ich nehme die Kopfhörer aus den Ohren und will dem Touristen helfen, seinen Weg zu finden. Da weiß ich noch nicht, dass es kein Tourist ist oder er nach dem Weg fragen will.
"Ähm, eigentlich ist das keine Frage. Ich hab dich gesehen und musste dich einfach ansprechen." – "Cool, das ist nett." Während ich meine Kopfhörer zusammenwickle, schaut er auf seine Füße, bleibt stehen und sagt nichts. "Ich bin Yoyó", ich strecke meine Hand aus. Irritiert schaut er auf: "Alex" Lascher Händedruck der Gegenseite und gleich darauf vergräbt er wieder seine Hände in die Tiefen seiner Taschen. Langsam werde ich unruhig und überlege, in wie vielen Minuten ich meine Bahn erwischen muss. Vorsichtig räuspere ich mich, doch es kommt keine Antwort. "Also, ich muss jetzt los", setze ich an und gehe zwei Schritte. Erschrocken schaut er auf, murmelt unverständliche Wörter und dreht sich um.
Als ich in die Bahn einsteige, erinnere ich mich an eine ähnliche Situation ein paar Wochen zuvor, in der mir mein Gegenüber nach überwältigender Stille ständig charmante Anspielungen auf meine Hautfarbe und ethnische Herkunft machte.


2. Hartnäckig bleiben


Ich sprinte schon halb, um wie immer meine Bahn zu erwischen, als mich ein Typ anspricht. Irritiert nehme ich die Kopfhörer raus, halte aber mein Tempo. Der Typ kann kaum Schritt halten, was vielleicht an seiner Körpergröße liegt: Er überragt mich kaum. Ich bin 1,61 m groß.
Er stellt sich als Lucio vor und fragt auf Englisch, was ich mache. "Catching my train" Ich habe es wirklich eilig. Nein, natürlich will er wissen, was ich hier in Berlin mache. "I'm from here" – Überraschtes Gesicht. Ach so, er dachte, ich wäre aus Asien und lacht. "Can I have your phone number?", fragt er anschließend. "No thanks, but have a nice day", antworte ich.
"Why? Come on."
– "No thank you."
"Why?"
– "Because I don't want to."
"It's just a number. Or maybe you can give me your Facebook name so we can go out for a coffee someday?"
– "I have a boyfriend." Ich hasse es, diese Karte auszuspielen, zumal es gar nicht der Wahrheit entspricht.
"It's just coffee."
– "Uhm, no."
"Why?"
– ...


3. Körperkontakt suchen


Ich zupfe an meinem Rock herum, den ich jetzt bereue, getragen zu haben. Und diese Heels drücken jetzt schon. Es ist 2012 und ich bin in irgendeinem komischen Club zu einem Geburtstag eingeladen. "Die anderen sind da vorne!", schreit Paulina, um sogleich in der dunklen Masse an vibrierenden Körpern zu verschwinden. Sie greift sich Steffis Hand und quetscht sich durch die Menschenmenge. Ich drängel mich hinterher. Überall stoße ich an Leute, Schulter an Schulter, Haare fliegen mir ins Gesicht, Ellbogen, eine Hand an meinem Hintern. Sie drückt merklich zu. Aus Reflex dreh ich mich um und blicke ins Gesicht eines Halbwüchsigen, auf dessen Lippen sich ein hämisches Grinsen abbildet. Meine Hand bewegt sich so schnell, dass ich es selbst kaum merke und streift seine Wange. Im nächsten Moment wird es schwarz und als ich wieder blinzle, halten vier seiner Freunde ihn zurück. Sein Grinsen ist einer verzerrten Fratze gewichen und aus seinem Mund entweichen Wörter, die im Bass untergehen. Ich vermute misogynistische Beleidigungen, doch bevor ich nachfragen kann, schleifen ihn seine Kumpels in die Menschenmenge. Mein linkes Ohr, über die Wange bis zum Kinn pulsiert heiß. Ich weiß nicht, wie lange ich starr bleibe, bis Steffi und Paulina mich einsammeln. Es ist definitiv die schlechteste Party, die ich bisher besucht habe.


4. Bilder sagen mehr als 1000 Worte


Ich kann kaum meine Augen noch offen halten, so müde bin ich. Um drei Uhr morgens macht sich die Müdigkeit bemerkbar. Aber nur noch fünf Stationen, bis ich ins Bett fallen kann. Der Bus sammelt am Rathaus neue Fahrgäste ein und ein Typ stellt sich vor mich in den Gelenkplatz. Kurz wundere ich mich, warum er sich keinen Sitzplatz wie alle anderen genehmigt, doch meine Gedanken schweifen ab. Ich bin so müde. Mein Blick wandert aus dem Fenster. Der Typ vor mir sieht sich gerade seine Fotos durch: Selfie reiht sich an Selfie, im Bett, im Pool, vor einer Wand, im Gegenlicht zur Sonne ... Gerade, als ich mich frage, wie sein Instagram-Profil wohl aussieht, taucht ein Penis auf. Und noch einmal. Auf dem nächsten Foto hat er sein erigiertes Teil in der Hand. Auf dem nächsten Foto ist nackt vor einem Spiegel. Eins zwischen Laken mit verruchtem Schlafzimmerblick. Mir entweicht ein leises Seufzen und schaue wieder aus dem Fenster, nachdem der Typ mich grinsend aus den Augenwinkeln beobachtet hatte. Ich drehe die Musik lauter auf und bete innerlich, dass er nicht an meiner Station aussteigt.
Eine Haltestelle vor meiner steigt er aus, beugt sich aber noch kurz über mich und atmet hörbar ein. Irritiert fahre ich herum, doch bin froh, als er in der Dunkelheit verschwindet.

5. Selbstbewusst das Eis brechen


Kurz überlege ich, ob ich die Straßenseite wechseln soll. In etwa zwanzig Meter Entfernung kommt mir ein groß gebauter Typ entgegen, der mir irgendwie unheimlich vorkommt. Ach hab dich nicht so, es passiert nichts. Ich versuche mir gut zuzureden, richte mich noch größer auf, strecke die Brust raus und hebe mein Kinn. Es ist verdammt kalt und der Weg von Lilys WG bis zum Gesundbrunnen scheint mir heute Nacht noch viel länger. Dank der Kälte lege ich noch einen Zahn zu. Meinen Kopf vergrabe ich noch tiefer in meine Kapuze. Schnellen Schrittes laufe ich an dem Typen vorbei und atme erleichtert auf.
Plötzlich ist er über mir und raunt mir ein "Hey Schatz" zu. Im nächsten Moment gibt er mir einen Klaps auf den Hintern und geht weiter. Kurz überlege ich, ob es wert ist, ihm nachzujagen. Doch ich wage es nicht, bei der Dunkelheit und auf der verlassenen Straße mich allein mit ihm anzulegen.
  • Laut einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend haben 2004 über die Hälfte aller befragten Frauen (58,2% von 10.000 Probandinnen) bereits sexuelle Belästigung erlebt. 2014 kam die Europäische Grundrechteagentur zu einem ähnlichen Ergebnis (Quelle: BMFSFJ 2014). Seit 2016 werden nach der Gesetzesform sexuelle Übergriffe härter bestraft, sodass "Begrapschungen" auch strafrechtlich verfolgt werden können (Quelle: Zeit 2016). Betroffene können sich rund um die Uhr und auf verschiedenen Sprachen unter dem kostenlosen "Gewalt gegen Frauen"-Telefon 0800-116016 Hilfe und Beratung suchen.


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