Kolumne #15: Andere Zeiten

Sunday, June 11, 2017


1998

엄마.. 이 아줌마 누구야? 우리 어디야? 이제 집에 갈거야?


März 2004

Was ist das? Ich versteh das nicht. Ich kann Mathe nicht. Ich mag Mathe nicht. Bruchrechnen ist doof. Frau G. ist so streng, ich hab Angst vor ihr. Oh nein, sie geht durch die Reihen. Ich hab nicht mal zwei Aufgaben geschafft. 

Mai 2008

Steffi schiebt mir einen Zettel rüber, ganz heimlich, damit der Lehrer es nicht merkt. Aus den Augenwinkeln lese ich die Zeilen, die sie auf das Blatt gekritzelt hat: "Ich bin heute mit Teddy in der Bahn gefahren und er hat mich angelächelt!" Ich muss grinsen. Gleich ist Hofpause und wir sehen Styler und Teddy wieder. Ich kann nicht mehr still sitzen. Diesmal werde ich ihn anschauen und lächeln. 

Juni 2009

Sie hat schon wieder einen neuen Freund. Und ich noch nicht einmal meinen ersten Kuss. Oh Gott, wie peinlich. Das darf keiner wissen. Vielleicht passiert es ja dieses Wochenende. Es muss dieses Wochenende passieren! Oh Gott, ich werde nie einen Freund haben.



Oktober 2011

Okay, morgen ist der erste Schultag in der neuen Schule. Abitur. Du musst cool sein. Alles wird gut. Einfach nur cool sein, das wird schon.

Januar 2014

03:36. Die vierte Nacht ohne Schlaf. "Scheiße, was mache ich, wenn ich das Praktikum nicht bekomme? Und wenn ich im Herbst nicht an der Uni angenommen werde, was mache ich dann?" Mein Abiturschnitt war nicht schlecht, immerhin eine 1 vor dem Komma, aber nicht genug für die Studiengänge, die ich gern besucht hätte. Dämlicher NC. Verdammt, ich flieg extra für das Bewerbungsgespräch schon früher nach Deutschland zurück. Was mache ich bitte?



Februar 2017

Keine drei Monate mehr bis zur Projektabgabe. Fuck. Wie ist die Zeit so schnell vergangen? Und was ist, wenn keiner meiner Pläne aufgeht? Wenn ich keinen Masterplatz bekomme? Was mache ich sonst nach dem Abschluss? Oh Gott, ich fühle mich wie 18, frisch nach dem Abitur. Ob Barcelona klappt? Mein Spanisch ist noch so grottig ...

Mai 2017

Wie sehr kann ein Herz brechen?


Juni 2017

"Willst du dich aber wirklich schon in was Neues reinstürzen?", Lily belegt die nächste Pizza mit der restlichen Mozzarella. Ich zögere. "Na ja, was heißt reinstürzen. Wir kennen uns ja erst zwei Wochen. Er ist mir halt echt sympathisch und ... hat Potenzial." Wofür er Potenzial hat, weiß ich nicht genau. "Schau doch einfach, wie es läuft. Ist doch ein gutes Zeichen. Genieß es einfach.", Mirja nickt und beißt bedächtig von ihrem Pizzastück ab.
Die anderen beginnen sich über ihre Zukunftspläne zu unterhalten. Ich nippe still an meinem Wein. Keine Ahnung, was ich mir erhoffe. Ich meine, wir werden uns in den nächsten Wochen auf entgegen gesetzten Teilen der Erde befinden und anschließend nur einen begrenzten Zeitraum zusammen verbringen können. Sofern es im Sinne beider ist. 
Vielleicht sollte ich tatsächlich weniger nachdenken und mich einfach darauf einlassen. Aber verdammt, warum muss das Timing immer so beschissen sein?


Die Zeit ist ein merkwürdiges Konstrukt. Gewisse Probleme erscheinen in einem bestimmten Lebensabschnitt zu gewaltig und unlösbar, im nächsten schon nicht mehr erwähnenswert. Wiederum werden erst rückblickend unbedeutsame Geschehnisse zu prägenden Erfahrungen. Menschen kommen, gehen, bleiben, hält man fest: Bekanntschaften, Freundschaften, Affären, Beziehungen. Prioritäten verschieben sich, entwicklen sich. Man lässt los. Man lernt jemand Neues kennen.


Photos by Melanie Trampnau

Camisole: H&M (similar here)
Skirt: H&M Divided (similar here)
Jeans Jacket: Levi's (here)
Sneaker: adidas Superstar (here)
Backpack: Calvin Klein (similar here)
Watch: Daniel Wellington (here)
Necklaces: Delphine Pariente & You&Me (similar here and here)
Earrings: SIX & I am (similar here and here)
Hairpin: My Little Box (similar here)

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2 % Love

  1. Super interessant zu lesen, was dich jeweils beschäftigt hat! :)

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    1. Danke dir Genya. Ja find eich auch, rückblickend sieht alles immer so anders aus!

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