Kolumne #16: Mittendrin

Monday, July 24, 2017


Sie sagen, schaue immer nach vorn und nie zurück. Lerne aus Erfahrungen, aber halte nicht an ihnen fest. Probiere Neues aus, teste dich aus, spring. Doch sagen sie nicht, wie das geht. Wir lass ich los, wie lass ich das Vergangene hier mich, wenn ich doch an eine gemeinsame Zukunft geglaubt habe? Wie mache ich weiter?


Sie sagen, die Zukunft sei ungewiss, nur das Vergangene sei beständig. Weil sie unveränderlich ist. Bewahre Erinnerungen auf, behüte sie. Um sie später weitererzählen zu können, den Kindern, den Enkeln. Denn sie bleiben als Letztes, die Erinnerungen bleiben.


Sie sagen, lebe den Moment. Im Hier und Jetzt, das sei das Wichtige. Die Zukunft sei nicht planbar, die Vergangenheit nicht mehr beeinflussbar. Doch wie kann ich heute sorgenfrei leben, wenn ich nicht weiß, wie ich morgen überleben soll? Wenn ich gestern versagt habe, wie kann ich heute unbesorgt weitermachen?


Sie sagen, verzeihe, aber vergiss nicht. Vergib dem Schuldigen, doch lasse dich nicht erneut täuschen. Lass den Groll, den Hass, den Schmerz hinter dich und mach es in der Zukunft besser. Aber wie vergebe ich jemanden, der so tiefe Furchen hinterlassen hat, dass ich nicht weiß, wie ich diese Narben heile?


Sie sagen, gib dem Neuen eine Chance. Versuche es, verschließe dich nicht. Aber was ist, wenn es bereits jetzt aussichtslos aussieht? Wenn ich bereits jetzt das Ende sehen kann, das Ende schon vor dem Anfang? Ist es tatsächlich eine neue Chance oder nur ein erneuter Zyklus von Leere?


Sie sage, ich denke zu viel nach. Sie haben recht. Und doch komme ich davon nicht los. Sie verstehen, begreifen jedoch nicht. Ich stehe dazwischen, komme weder vor- noch rückwärts. Drehe mich im Kreis.


Ich sage, ich bin genau da, wo ich sein sollte. Mittendrin. Stagnation sei nicht gut, aber wer sagt denn, dass ich still stehe? Manchmal hält man an Altem fest, weil es so intensiv und bedeutend war. Manchmal zieht man weiter, weil es da draußen noch so viel mehr gibt. Und manchmal ist man genau dazwischen, zwischen gestern und morgen. Nicht ganz im heute, vielleicht im Jetzt. Mittendrin.


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