Die Stadt der Liebe // The City of Love

Tuesday, September 04, 2018


Ich sitze in der U8, in meinen Ohren hallt "Paris" von The 1975. Paris. Ich war ewig nicht mehr dort. Leute nennen sie Stadt der Liebe. Vielleicht sollte ich deswegen noch einmal dorthin reisen?

Ich schüttle den Kopf. Als ob meine Probleme damit gelöst werden. Als ob mir entlang der Seine ein attraktiver Franzose über den Weg läuft und mich zu einem café et croissant einlädt. Und wenn, könnte ich mich überhaupt auf ihn konzentrieren? Meine Gedanken würden abstreifen. Nach Barcelona. Mi amor valioso. Ich kann beinahe fühlen, wie ich dort im Pariser Bistro sitze, in Gedanken aber meine Zehe im Sand von Playa de Barceloneta vergrabe. Meine Lippen sind vom café benetzt, doch dürsten sie nach dem cava rosé der La Xampayeria in Gótico. Der Buttergeschmack des Croissants liegt mir auf der Zunge, doch meine Geschmacksknospen sehnen sich nach der Parmiggiana und Ravioli im Pappa e Citti.

Pierre, so heißt der Franzose der mich ausführt, sei aus Lyon und arbeite als Creative Director in einer Agentur. Sein französischer Akzent hat etwas raffiniertes. Er drückt sich ruhig und gewählt aus.

Es ist ungewohnt. Wo sind die starken Betonungen, wo sind die plötzlichen Ausrufe? Wo sind die fehlenden Personalpronomen, die ich in Gedanken immer hinzugefügt habe. Die mich schmunzeln ließen. Ich ermahne mich, dass ich Pierre gegenübersitze, doch muss ich immerzu an jemand anderes denken.

Ich sitze wieder in der U8, zurück auf dem Weg zum Alex. Aus meiner Tasche lugt die IKEA Lampe, die ich eben für 5€ bei eBay Kleinanzeigen geschossen habe. Die Frauenstimme der U-Bahn sagt die nächste Station an. Schönleinstraße. Erinnerungen aus vergangenen Neuköllner Nächten kriechen aus den hinteren Ecken meines Gedächtnisses hervor. Wehmütig versuche ich abzuschweifen. Auch ich werde Berlin bald verlassen, so wie er es vor einigen Monaten getan hat. Auch ich werde das alles hinter mich lassen. Irgendwann.

Paris. Die Stadt der Liebe? 

Vielleicht. Aber nicht für mich.


I'm sitting in the U8, "Paris" by The 1975 is echoing out of my headphones. Paris. I haven't been there since forever. People call it the city of love. Maybe that's why I should travel there again?

I'm shaking. As if my problems would be solved with that. As if I would meet an attractive Frenchman along the Seine, who invites me to a café et croissant. And if so, could I even focus on him at all? My thoughts would wander. To Barcelona. Mi amor valioso. I imagine myself sitting there in the Parisian bistro, but burying my toes in the sand of Playa de Barceloneta in my mind. My lips wet from the café, but thirsting for the cava rosé of La Xampayeria in Gótico. The buttery taste of the croissant lingering on my tongue, but longing for the parmiggiana and ravioli at Pappa e Citti.

Pierre, that's the name of the French guy, is from Lyon and works as a creative director at an agency. His French accent has something sophisticated. He uses thoughtful and calm words.

It is strange. Where are the strong expressions, where are the sudden exclamations? Where are the missing personal pronoun, which I have always added in mind. Which made me smile. I remind myself that it is Pierre, with whom I'm spending this afternoon. But I cannot stop thinking about somebody else.

I'm sitting in the U8 again, back on my way to Alexanderplatz. The IKEA lamp peeks out of my bag, which I got for only 5€ on eBay. The female voice of the underground announces the next station. Schönleinstraße. Memories from past Neukölln nights crawl out of the back corners of my memory. I  wistfully try to think of something else. I, too, will leave Berlin soon, just as he did a few months ago. I, too, will leave everything behind. Someday.

Paris. The city of love?

Maybe. But not in my opinion.



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